BERND HAT AN DER UHR GEDREHT

Bernd Deckert hat Zeit. Viel Zeit. In verschiedenen Formen, in unterschiedlichen Variationen, aber immer schön und immer reichlich. Bernd Deckert stellt Uhren her.

Von Lothar Leuschen

Es gibt viele Wege, zu seinem traumberuf zu finden. Bernd Deckert hat die Universität gewählt. Nicht ganz bis zum Ende. Ehe ihn der Lehralltag einholen konnte, bog Deckert ab. "Ich habe Geographie und Geschichte studiert und alle Scheine gemacht. Nur das Examen nicht", erzählt er.

Der Bilker spielte auf Zeit und tut es heute noch. Im wahrsten Sinne des Wortes. Er stellt Großuhren her. Kunden aus aller Herren Länder setzen auf die Produkte aus Düsseldorf. Ein bisschen seltsam ist das schon. Eigentlich gehören deutsche Uhrenfabriken doch in den Schwarzwald. Aber Düsseldorf?

1969. Bernd Deckert hatte sich gerade an der Universität eingeschrieben und studententypisch festgestellt, dass dioe Zuwendung aus Vaters Portmonee zum Leben nicht ganz ausreichten. Von einer Oberstufenfahrt nach Südfrankreich brachte der Filius eine Comtoise-Wanduhr mit, ein edles Stück. Som eines, wie es seinerzeit ein Händler an der Kö für 1500 Markt feilbot. Deckert sah es, da schlug's bei dem knapp 20-Jährigen. Die erste Uhr behielt er,was er aber sonst an guten Stücken in Frankreich fand, wechselte in Deutschland für gutes Geld seinen Besitzer. Das Nebengeschäft florierte und wurde am 1. Februar 1970 zum Hauptgeschäft. Es war die Geburtsstunde der Großuhren-Manufaktur I. und B. Deckert. " steht für Inge. Das ist meine Mutter", sagt der Unternehmer.

Inzwischen sind drei Dekaden ins Land gezogen. Fast ebenso lang machen es sich Deckert, seine Ehefrau und drei Mitarbeiter an der Suitbertusstraße urgemütlich. Sie führen ein Nischendasein unter den Uhrenherstellern und fühlen sich pudelwohl in ihrer Rolle als erfolgreiche Außenseiter. "Was wir machen, ist für große Fabriken zu speziell. Wir haben keine Konkurrenz, noich nicht einmal in Asien." Im Gegenteil. Deckert stellt noch echte Email-Zifferblätter her und liefert sie an Großkunden in Vietnam, Indonesien und auf den Philippinen. " Ich galube, außer uns macht das keine Firma mehr", sagt derr 53-Jährige. Dasselbe gilt für Comtoise-Uhren, jene Chronometer, die aus frankreich stammen und mehr als 300 Jahre Geschichte haben. Wer etwas auf sich hielt und hält, hatte oder hat eine Comtoise an der Wand. Entweder ein Original - im Antiquariat Deckerts steht unter anderem ein Modell vom Hofe Ludiwg des XBV. für 27.500 Mark - oder eine Reproduktion aus der Werkstatt für bis zu 2500 Mark, kunstvoll auf alt getrimmt und kaum von einer echten Comtoise zu unterscheiden.

Doch in der Hauptsache stellt Deckert Uhren her. Mehrere tausend im Jahr, die Zahl schwankt. Die Werke kommen aus dem Schwarzwald, werden dort exclusiv für das Düsseldorfer Unternehmen hergestellt und an der  Suitbertusstraße vollendet. Holz,Messing, Ziffernblatt, Pendel - alles muss so aussehen, als sei es vor Hunderten von Jahren hergestellt. So wollen Kunden in aller Welt das. So bekommen sie es.

Die Firma ist gesund. Und wenn der Chef über Umsatzzahlen auch keine Angaben machen mag, so zeigen doch 700 000 Mark Investition ins Firmengelände, dass die Lage schlechter sein könnte. " Aber gut ist sie momentan auch nicht. Und wenn der Kanzler weiter mit ruhiger Hand regiert.... Alle reden von einer bevorstehenden Rezession, dabei sind wir längst mittendrin. Daa hat nicht nur mit der Weltwirtschaft und den Anschlägen vom 11. September zu tun." Alles, dass Deckert nicht fragt, ob Gerhard Schröder noch sauber tickt.

Um sein Unternehmen ist Deckert dennoch nicht bange. Bisher hat die Zeit schließlich noch alle Wunden geheilt.

1. 2001
2. RP 2001