1. frontal

Obwohl dieses Uhrwerk mit zahlreichen Neuteilen restauriert worden war, behält es jedoch als typisches Hybrid Uhrwerk  zwischen Laternenuhr und Comtoise Uhr eine überragende Bedeutung.   

Zeiger, Zifferblatt mit Grundplatte und Gusszierteil sind neu. Rückseite, Türen und Glocke sind neu. Vom Räderwerk selbst sind das Wechselrad und das Stundenrad erneuert worden. Die Spindelachse ist neu. Man hätte auch angeben können, dass von dieser Uhr nur der Käfig mit den beiden Rädersätzen original ist, mit erneuerter Spindelachse. Dieses Uhrwerk ist vermutlich im 20. Jahrhundert restauriert worden und in die heutige Form gebracht worden. Es wurden anscheinend alle *alten* Schrauben durch *neue* Schrauben ersetzt, bis eben auf die 4 großen Muttern auf den Werkpfeilern. Es finden sich nur metrische Schrauben mit Rundköpfen oder Zylinderköpfen.  
                                                                                                                                                                                                                                                      An dem markanten Kronrad, welches als Windfang fungiert ( auch dieser *Windfang* ist extrem aussergewöhnlich ) sind die eingesetzten Holzteile erneuert worden.  

Der schwere, geschmiedete Käfig  weist an  den  oberen  und  unteren  Enden  der Käfigpfeiler Verstärkungen/Verdickungen auf, die optisch an die Pfeiler englischer oder französischer Laternenuhren in Messingbauweise erinnern.                                  

Mit seinen markanten großen Muttern auf den oberen Werkpfeilern und den Pfeilern mit breiteren Enden erinnert das Uhrwerk auf den ersten Blick an einen grob geschmiedeten Käfig einer Laternenuhr. Die nebeneinander liegenden Radsätze weisen dann allerdings den Weg in Richtung einer späteren Comtoise Uhr.
                                                                                                                                                                                                              Nicht nur die Rädersätze weisen in diese Richtung, sondern auch das Rechenschlagwerk mit senkrecht fallendem Rechen. Allein das Rechenschlagwerk qualifiziert dieses Hybrid Uhrwerk des 17. Jahrhunderts als eine besondere Rarität.

Da das Uhrwerk ein Rechenschlagwerk aufweist, kann es nur in der Zeit um 1680/1690 entstanden sein. Diese besondere Rarität besteht nun auch noch darin, dass der Rechen dieser Uhr mit doppelter Verzahnung U-förmig ausgebildet ist. Edward Barlow in England soll der Erfinder des Rechenschlagwerk gewesen sein, aber sein Rechen war sicherlich der bogenförmige Rechen, wie wir ihn alle von den englischen Platinenwerken kennen, die wir in den Bodenstanduhren vorfinden.

Bei den Haut-Jura Comtoise Uhren kommt der senkrecht fallende Rechen schon in den frühsten Exemplaren vor, der bogenförmige Rechen kommt zwar auch vor, aber wesentlich seltener.

Dies wirklich große Besonderheit dieses Hybrid Uhrwerks zwischen Laternenuhr und Comtoise Uhr ist nun dieser senkrecht fallende Rechen, dann noch in der U-förmigen Ausführung, aus einer Zeit, als es noch keine Haut-Jura Comtoise Uhren gab, d.h. aus der Zeit frühestens um 1680 und spätestens um 1690, also ca. 20/30 Jahre vor dem ersten Auftauchen der Haut-Jura Comtoise um ca. 1710.

Wer der Erfinder des senkrecht fallenden Rechens mit einzelner Zahnstange nun ist, wissen wir leider nicht.         

Wer der Erfinder des senkrecht fallenden Rechens mit U-förmiger Zahnstange nun ist, wissen wir leider auch nicht.                                                                                        
Wir wissen jetzt aber wohl, dass beide Rechentypen bereits existierten, als die Mayet und andere Uhrmacher/Schmiede im Hohen Jura begannen, erste Hausuhren zu bauen.